Ich bin schon länger bei Abakuz dabei und für mich gibt es mehrere Gründe, warum Aschaffenburg ein alternatives Kulturzentrum braucht.
Zum einen habe ich die typischen Locations in Aschaffenburg satt. Wer keinen Bock auf die yuppie-mässigen, und meist viel zu teuren Kneipen und Clubs hat, pendelt zwischen Colos-Saal (was auch viel zu teuer ist), JuKuz und Hannebambel hin und her, – oder fährt gleich in eine andere Stadt. Auch für Junggebliebene/alternative “Erwachsene” gibt es eigentlich keinen Ort, an dem man sich wirklich wohl fühlt. Entweder ist man zu alt, oder auf Grund seines Äußeren nicht gern gesehen.

Gerade im Sommer zeigt sich, wie viele junge Leute sich auf öffentlichen Plätzen treffen und im freien rumhängen,– warum auch nicht, wo soll man denn hin?
Doch die Stadt gibt sich alle Mühe, diese “Aneignung” des öffentlichen Raums zu verhindern. Kontrolle und Vertreibung sind die Reaktion.
Eine echte Alternative fehlt – und das nicht nur im Sommer!
Es gibt so viele Leute in AB die gerne ihre Freizeit aktiv selbst gestalten wollen. Die wenigen Orte, die sich dafür eignen, sind meist mit Terminen vollgestopft, oder erheben Auflagen, welche einfach nicht okay sind (Macker-Securitys, „beschissene “Sperrstunden” und Öffnungszeiten). Gerade überfüllte Konzerte und “Szene-Kneipen” zeigen die große Nachfrage.
Auch politische Veranstaltungen zu Themen, welche als unbequem oder subversiv gelten und von daher in städtischen Zentren unerwünscht sind, brauchen einen Raum, in denen diese ohne Einschränkung thematisiert werden können. Rebellische (Sub)Kultur braucht eben Platz, und dieser ist in Aschaffenburg weder vorhanden noch gewollt.
In anderen Städten klappt es auch und rund um Aschaffenburg gibt es Zentren: Darmstadt, Hanau, Frankfurt, Würzburg, etc. Zwar sind alle auf unterschiedlichste Art und Weise entstanden, doch die Idee ist vom Prinzip die gleiche. Diese erweisen sich nicht nur als Ergänzung zum kulturellen Angebot vor Ort, sondern entwickeln eine eigene, bunte und lebhafte Szene. Von Musik, über Kunst bis zu Politik ist alles dabei.

Ich wünsche mir, dass sich ein solches Zentrum und seine Idee in Aschaffenburg etablieren können. Es soll ein Ort mit Ausstrahlung werden. Zum einen durch ein lebhaftes Programm unterschiedlichster Art (Discos, Konzerte, Vorträge, Workshops), zum anderen dadurch, dass es einen gewissen Anspruch hat und etwas „rüberbringt“. Nämlich das man gemeinsam was auf die Beine stellen kann, und wir zur Veränderung durchaus in der Lage sind. Und das unabhängig und in Eigenregie.
Im Internet habe ich einen Text von einer Gruppe aus Aachen gefunden. Stil und Inhalt haben mir so gut gefallen, das ich ihn unwesentlich verändert und auf Aschaffenburg umgeschrieben habe. Das kam dabei raus:

Selbstbestimmte Freiräume und Kulturzentren sind, in Zeiten sozialer Kälte und immer rascher voranschreitender Einschränkungen von Freiheiten, wichtiger denn je. Die gesellschaftliche Logik der Verwertbarkeit des Menschen wird schon längst kaum mehr hinterfragt, der Sozialabbau wird in einem wahnwitzigen Tempo vorangetrieben, wobei viele buchstäblich auf der Strecke bleiben. Dazu kommen Ausgrenzung, steigende Lebenskosten und die völlige Isolation der Menschen. Wirkliche Mitbestimmung existiert nicht. Die Innenstadt wird komplett umsaniert zu einem Ort, in denen Menschen nur als Konsumobjekte wahrgenommen werden.

Ein politisches und kulturelles Zentrum in Selbstverwaltung, welches eine positive Alternative darstellt, fehlt in einer Stadt wie Aschaffenburg seit Jahren. Kommerzfreie Konzerte und Veranstaltungen, Treffpunkte, die keinen dicken Geldbeutel voraussetzen, Orte, an denen politische Arbeit kontinuierlich stattfinden kann und die ein Raum der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Trends und des Einmischens sind.
Lange genug gewartet! Wir wollen einen Freiraum in dieser Stadt schaffen, der sowohl Platz für Politik und Kultur bietet. Wir wollen uns einmischen, sichtbare Alternativen leben, ein solidarisches Miteinander schaffen und den Versuch unternehmen, einen Ort aufzubauen, der frei von autoritären und unterdrückenden Verhaltensweisen sein soll. Also: Kommt vorbei und macht mit!