Wie die meisten Menschen gehe ich den Großteil meiner Lebenszeit einer Arbeit nach, ohne dass ich jemals soviel verdienen werde um mich irgendwann unabhängig machen zu können. Ich werde dadurch definitiv nie mein Leben so gestalten können, wie ich es gerne würde. Dies erfordert täglich immer wieder eine Anpassung an Forderungen die andere an mich stellen, ob ich damit einverstanden bin oder nicht oder ob ich mit dem fordernden Menschen konform gehe oder nicht. Dies birgt persönlichen Konfliktstoff der dadurch erhöht wird, dass ich in der Gesellschaft in der wir leben viele Dinge und Widersprüche beobachte und erfahre, mit denen ich schlichtweg nicht einverstanden bin. Soziale Ungerechtigkeit, Ausgrenzung von Menschen, Gewalt, Druck von oben, negative Beeinflussung der Menschen durch Medien etc., einzelne Leute für tausende andere Menschen Entscheidungen fällen können, die deren Lebensgrundlage entziehen usw., die Liste ist lang. Die Ohnmacht, Empörung und Auflehnung, die ich häufig dabei fühle, braucht aber ein Ventil. Für mich ist dies z. B. die politische Arbeit. Politische Arbeit ist nicht trocken oder langweilig. Ich verstehe darunter den spannenden Prozess der beginnt, wenn Leute mit ähnlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen sich zusammenschließen um „etwas zu machen“. Dies können erst mal immer Diskussionen und inhaltliche Arbeit sein. Inhaltliche Arbeit heißt dabei, dass Themenschwerpunkte durch Lesen und Diskussionen intellektuell erschlossen werden um dann Gegenforderungen und Alternativen zu entwickeln, wie es denn anders sein soll. Daraus können dann Aktionen, Veranstaltungen, Konzerte, Demos, Bücher etc. werden. Das schöne dabei ist, zu erfahren, dass man nicht alleine ist, mit den Widersprüchen, Wünschen und Ängsten. Es ist belebt positiv und man erhält einen anderen Bezug, einen positiven Bezug zu dem Umfeld in dem man sich bewegt. Die wichtigste Erfahrung ist, dass man sehr wohl selber etwas bewegen kann, auch wenn es nur ein kleines Rütteln ist, man Spuren sehr wohl hinterlassen kann. Ein Ergebnis unserer Gesellschaft in der wir leben ist, glaube ich, dass Menschen sich aufgrund des Spannungsverhältnisses, auf der einen Seite immer wieder gefordert zu sein und sich anpassen zu müssen und auf der anderen Seite, dass was dafür unterm Strich aber übrig bleibt, fast gleich null ist, sich agressiv bzw. ohnmächtig fühlen. Ohmachtsgefühle, Rückzugs- Abgrenzungsgefühle, Agressionen gegen andere Menschen sind nur einige der negativen Gefühle, die dadurch entstehen. Damit kann ich nicht leben. Wenn ich mir vorstelle, es gäbe in unserer Stadt ein Zentrum, was uns selber gehört. D. h. den Leuten, die ähnlich denken und fühlen, deren Ventil ebenfalls der Zusammenschluss mit anderen Menschen ist, die bereit sind ihre Freizeit nicht konsumieren sondern mit aktiven Miteinander zu verbringen, aber selbstverständlich auch, nicht nur um zu arbeiten sondern auch dann zu feiern. Ein Zentrum in dem geschieht, was wir uns selber ausdenken, in dem immer wieder neue Projekte, neue Ideen hineingetragen werden, immer wieder neue Leute auftauchen, die wiederum neue Gedanken und Ideen mitbringen. Ein Zentrum, welches durch uns selber lebt und nicht, weil eine Stadt oder findiger Investor oder Unternehmer uns was präsentiert, was wir uns dann nur einmal im Monat leisten können und wir danach wieder abdampfen müssen, weil wir von Türstehern danach rausgejagt werden. Ein solches Zentrum würde mir das Gefühl geben, dass ich unserer Welt, in der ich leider nur einmal und dass dann auch noch für gerade wenn ich Glück habe 70 Jahre sein darf, auch mehr Leben verspüren kann und auch mitgestalten kann. Ich denke, dass es vielen anderen Leuten auch so geht, also lasst es uns machen.